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Modul 00 · Fundament

Preise bestimmen: wie du aufhörst, dich unter Wert zu verkaufen.

Der Kunde sagt „zu teuer" — und reflexartig gehst du runter. Damit verschenkst du genau die Marge, von der dein Betrieb lebt.

Kurz gesagt: Dein Preis ist eine Entscheidung, kein Naturgesetz. Wer Wert statt Rabatt verkauft, das Preisgespräch führt und regelmäßig erhöht, verdient an denselben Aufträgen deutlich mehr.

Der Preis ist ein Signal.

Ein zu niedriger Preis sagt dem Kunden nicht „Schnäppchen" — er sagt „Vorsicht, irgendwas stimmt nicht". Der richtige Preis signalisiert: Hier bekomme ich Qualität.

Warum „zu teuer" fast nie über den Preis geht

Wenn der Kunde „zu teuer" sagt, meint er fast immer eines von zwei Dingen: „Ich sehe den Wert noch nicht" – oder „Ich will verhandeln". Kaum jemand sagt es, weil das Geld wirklich fehlt; sonst hätte er gar nicht erst angefragt. Senkst du beim ersten Zögern den Preis, bestätigst du unbewusst: „Stimmt, war zu hoch." Damit entwertest du dein eigenes Angebot rückwirkend — und der Kunde fragt sich, was es denn nun wirklich wert ist. Die richtige Antwort ist nie Rabatt, sondern den Wert sichtbar zu machen.

Was kostet dich eine Arbeitsstunde wirklich?

Bevor du einen Preis machst, musst du eine Zahl kennen: was dich eine Arbeitsstunde tatsächlich kostet. Fast jeder Bauchpreis ist zu niedrig, weil er mit dem Lohn rechnet — nicht mit den Kosten. Ein Geselle mit 13 € Bruttolohn kostet deinen Betrieb rund 23 € pro Stunde, sobald Sozialabgaben, Urlaub, Krankheit und Fortbildung mitlaufen — ein Aufschlag von 75–85 %, bevor ein Cent für Fahrzeug, Werkzeug, Miete oder Gewinn drin ist.

Lohnnebenkosten-Aufschlag im Handwerk: rund 75–85 % auf den Bruttolohn (Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft, Umlagen, bezahlte Ausfallzeiten).Quelle: bosch-officeon.com, „Stundensatz berechnen im Handwerk", abgerufen 21.06.2026

So entsteht dein Stundensatz — in 5 Schritten

Produktive Stunden ermitteln

Von 2.080 Brutto-Stunden im Jahr (52 × 40 h) bleiben nach Urlaub, Feiertagen, Krankheit, Fortbildung und unproduktiver Zeit (Fahrten, Rüsten, Büro) realistisch nur ~1.250–1.420 produktive Stunden je Mitarbeiter.

Vollkosten je Mitarbeiter

Bruttolohn + ~75–85 % Lohnzuschlag = was dich der Mitarbeiter wirklich pro produktiver Stunde kostet.

Gemeinkosten umlegen

Fahrzeuge, Werkzeug, Miete, Versicherung, Software, Steuerberater — alles, was läuft, ob du arbeitest oder nicht. Auf die produktiven Stunden verteilt.

Wagnis & Gewinn aufschlagen

Branchenüblich 8–12 % — für Risiko (unbezahlte Ausfälle) und das, was am Ende übrig bleiben soll.

Netto-Satz + 19 % MwSt.

= dein Brutto-Stundensatz für den Kunden.

Rechenbeispiel · so entsteht ein Stundensatz
Geselle, 13 € Bruttolohn/Std + ~80 % Lohnzuschlag = ~23 € Personalkosten/Std + Gemeinkosten-Umlage = + ~22 € ------------------------------------------- Selbstkosten je Stunde ~45 € + Gewinn (10 %) = ~50 € netto + 19 % MwSt. = ~59 € fuer den Kunden

Beispiel — deine echten Zahlen rechnest du im Stundensatz-Rechner. Das Prinzip bleibt: dein Stundensatz trägt den ganzen Betrieb, nicht nur den Lohn.

Teil des Werkzeugkoffers · gratis, mit Login
Stundensatz-Rechner: Eingaben links, dein Netto-Stundensatz rechts
So rechnest du deinen echten Stundensatz — Eingaben rein, Netto-Satz raus, jeder Posten begründbar.
Im Werkzeugkoffer öffnen →

Liegst du richtig? Orientierungswerte 2026

Damit du deinen Satz einordnen kannst — durchschnittliche Netto-Stundensätze nach Gewerk (zzgl. MwSt.):

Stundensätze nach Gewerk · netto/Std, 2026
Dachdecker 65–88 € SHK / Heizung 62–85 € Elektriker 60–80 € Tischler/Schreiner 54–72 € Maler & Lackierer 48–65 € GaLaBau 45–62 €
Gewerk-Spannen oben: aus Branchenquellen zusammengeführt und gerundet — Orientierung, keine amtliche Statistik. Branchen-Durchschnitt laut „Preisatlas Handwerk" (OneQrew-Umfrage unter 534 Betrieben, 2. Halbjahr 2023): rund 69 € (Meister) / 61 € (Geselle).Quellen: bosch-officeon.com (Gewerk-Spannen) · Preisatlas Handwerk/OneQrew, via Deutsche Handwerks-Zeitung (Durchschnitt), abgerufen 22.06.2026

Das ist Orientierung, kein Zielwert — Nord/Süd unterscheidet sich spürbar, und dein richtiger Satz kommt immer aus deiner eigenen Kalkulation, nicht aus der Tabelle. Zwei Profi-Schritte sichern ihn ab: Material nicht zum Einkaufspreis weitergeben (Aufschlag für Beschaffung, Lagerung, Gewährleistung), und nach dem Auftrag einmal Soll gegen Ist rechnen (Nachkalkulation) — so siehst du, wo der Bauchpreis dich wirklich gekostet hat. Faustregel: Landet dein kalkulierter Satz deutlich unter diesem Branchenschnitt, sind meist die Gemeinkosten zu niedrig angesetzt oder zu viele produktive Stunden unterstellt — beides nach oben prüfen.

Rechenbeispiel: was ein Bauchpreis wirklich kostet

Der häufigste Fehler ist der Preis „aus dem Bauch". Er ist fast immer zu niedrig — und niemand merkt, wie viel dabei liegen bleibt. Schau dir dieselbe Badsanierung mit zwei Preisen an:

Rechenbeispiel · eine Badsanierung
Material 6.000 € Arbeit (80 Std × 55 €) 4.400 € ------------------------------------------- Selbstkosten 10.400 € Bauchpreis 12.000 € -> Gewinn 1.600 € (15 % Aufschlag auf SK) Kalkuliert 13.000 € -> Gewinn 2.600 € (25 % Aufschlag auf SK) Differenz: 1.000 € pro Auftrag. Bei 30 Bädern im Jahr = 30.000 € verschenkt.

Derselbe Aufwand, dieselben Kunden — nur ein anderer Preis. Wer aus der Kalkulation heraus anbietet (Material, Stunden, Deckungsbeitrag), lässt nicht nur weniger liegen, sondern kann auch jeden Posten begründen und gerät im Gespräch nicht ins Schwimmen.

Ein Preis aus dem Bauch ist im Zweifel zu niedrig und nicht verteidigbar. Aus der Kalkulation heraus kannst du jede Position erklären — das ist die Grundlage, um „zu teuer" souverän zu begegnen.Salesclub-Methodik: Kalkulations-Disziplin

Drei Optionen statt einer Zahl

Eine einzige Zahl zwingt den Kunden zu „ja oder nein" — und er vergleicht sie nur noch mit dem Angebot der Konkurrenz. Drei Varianten verschieben die Frage zu „welche nehme ich?". Jetzt entscheidet er zwischen deinen Optionen, nicht mehr zwischen dir und dem Wettbewerb. Und die Mehrheit wählt die Mitte.

Beispiel · Wärmepumpe in drei Stufen
Gut Wärmepumpe, fachgerecht eingebaut 18.900 € Besser * + hydraulischer Abgleich + Förder-Service 21.500 € <- die meisten wählen das Best + PV-Kopplung + 5 Jahre Wartung 26.400 €

„Besser" ist deine Empfehlung — markiere sie auch so. „Gut" ist nie ein Lockvogel, sondern ein ehrlicher Einstieg. „Best" gibt dem, der das Beste will, ein Zuhause — und lässt die Mitte vernünftig wirken.

Wert sichtbar machen statt Rabatt geben

Kommt der Preis-Einwand, gilt: erst verstehen, dann reagieren. Nicht rechtfertigen, sondern ruhig zurückfragen, was dem Kunden fehlt. Meist steckt dahinter Unsicherheit, Timing oder ein Vergleich — nicht der Betrag selbst. Erst wenn du den echten Grund kennst, kannst du ihn auflösen, ohne den Preis anzufassen. Und wenn du doch bewegst, dann nie geschenkt, sondern gegen einen Gegenwert (Zahlungsweise, Umfang, Termin).

Preise erhöhen, ohne Kunden zu verlieren

In Schritten

Lieber regelmäßig moderat (z. B. jährlich) als einmal drastisch. Kleine Schritte fallen kaum auf.

Mit Begründung

Gestiegene Material- und Lohnkosten, mehr Leistung, schnellere Termine. Nenne den Grund, dann ist die Erhöhung nachvollziehbar.

Ohne Angst

Die guten Kunden bleiben. Wer nur wegen des Preises da war, zieht weiter – und macht Platz für bessere Aufträge.

Ein Beispiel, wie klein der Schritt sein darf: Erhöhst du deinen Stundensatz von 55 € auf 58 € (rund 5 %), merkt das kaum ein Kunde — aber bei 4.000 abgerechneten Stunden im Jahr sind das 12.000 € mehr Gewinn, ohne einen einzigen zusätzlichen Auftrag.

So sagst du's · Preiserhöhung beim Stammkunden
Nicht so: keine Preis-Ankündigung auf der Website, keine Rundmail „Wir erhöhen die Preise", und rechtfertige dich nie für höhere Preise. Sondern: Wartungs- und Stammkunden kurz anrufen, am besten zum Jahresanfang oder im Frühjahr. Formulierung: „Herr Müller, kurz vorab: Material- und Lohnkosten sind seit der letzten Wartung spürbar gestiegen, deshalb passe ich meinen Satz ab [Datum] auf [X €] an. An Qualität und Reaktionszeit ändert sich nichts — eher im Gegenteil."
Vorgehen, Timing und „Don'ts" zur Preiserhöhung im Handwerk.Quelle: handwerk.com, „So kommunizieren Handwerker Preiserhöhungen", abgerufen 21.06.2026

Wo im Angebot leise Marge verschwindet

Nicht nur der Stundensatz entscheidet — ein paar Stellen im Angebot kosten dich Geld, ohne dass du's merkst:

Material ist auch Marge
Material nicht zum Einkaufspreis weitergeben. Üblich sind oft 10–20 % Aufschlag für Beschaffung, Lagerung, Vorfinanzierung und Gewährleistung.
Skonto kostet echtes Geld
2 % Skonto bei Zahlung in 10 Tagen sind 2 % weniger Marge. Nur geben, wenn dir die schnelle Zahlung die Liquidität wirklich wert ist — und vorher einkalkulieren, nicht nachträglich schlucken.
Liquidität sichern: Abschläge
Bei größeren Aufträgen (z. B. der Wärmepumpe) Anzahlung + Abschlagsrechnungen nach Baufortschritt — du finanzierst nicht den Auftrag des Kunden vor.
Angebot absichern
„Angebot gültig 30 Tage, Materialpreise unter Vorbehalt." Schützt dich, wenn zwischen Angebot und Auftrag die Einkaufspreise steigen.
Festpreis oder nach Aufwand?
Festpreis nur, wenn du den Aufwand sicher einschätzen kannst — sonst nach Aufmaß/Regie. Unklarer Aufwand zum Festpreis frisst die Marge.

Fünf Beispiele: mehr verdienen an denselben Aufträgen

1 · Kalkuliert statt Bauch
Material + Stunden + Deckungsbeitrag — nicht „Pi mal Daumen". Allein das holt oft 10 % mehr Marge bei gleicher Arbeit.
2 · Drei Optionen statt einer Zahl
Gut / Besser (markiert) / Best — der Kunde wählt zwischen DEINEN Varianten, nicht zwischen dir und der Konkurrenz. Die Mitte gewinnt meist.
3 · „Zu teuer" souverän
Nicht senken, sondern fragen: „Womit vergleichen Sie?" Meist steckt Unsicherheit dahinter, nicht der Betrag — siehe Einwände behandeln.
4 · Bewegung nur gegen Gegenwert
Wenn überhaupt Rabatt, dann nie geschenkt: gegen Vorkasse, größeren Umfang oder flexiblen Termin.
5 · Regelmäßig erhöhen
55 → 58 €/Std (~5 %) merkt kaum ein Kunde — bei 4.000 Stunden sind das 12.000 € mehr Gewinn. Jährlich, mit Begründung.

Tools & Quellen

Stundensatz rechnen
Deinen echten Mindest-Stundensatz kennst du nur, wenn du ihn rechnest: Stundensatz-Rechner & Kalkulation & Marge.
Angebote mit Stufen
Drei Varianten sauber aufbauen: Gut-Besser-Best — und der Wert gehört vor den Preis (Angebote, die überzeugen).
Sauber kalkulieren · Tool
Rechnungen & Kalkulation mit lexoffice oder sevDesk — jede Position begründbar.
Passt dazu · Querverweise
Einzigartig schlägt billig · Einwände behandeln — Wert zeigen statt Preis senken.

Typische Fehler

Reflexrabatt beim ersten Zögern. Bauchpreise ohne Kalkulation. Den Wettbewerber unterbieten, statt den eigenen Wert zu zeigen. Und der stille Margenkiller: jahrelang nicht erhöhen, während Material und Löhne Jahr für Jahr steigen.

Deine Aufgabe: Wann hast du zuletzt deine Preise erhöht — und was hält dich vom nächsten Schritt ab?
Dein Preis ist eine Entscheidung.
Triff sie.
— Modul 00 · Fundament

Häufige Fragen

Verliere ich dann nicht Kunden?

Die Preis-Kunden ja — und das ist gut so. Die guten Kunden bleiben, weil sie den Wert sehen.

Um wie viel soll ich erhöhen?

In Schritten, mit Begründung. Lieber regelmäßig moderat als einmal drastisch.

Methode aus echten Salesclub-Projekten (Elektro/Wärmepumpe, SHK, Kälte/Klima, Sicherheitstechnik).